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VW Race Touareg 2

Mehr als nur ein Ruhetag

Samstag, 10. Januar

Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für eurosport.yahoo.de einen Blick hinter die Kulissen.

Die Dakar ist die härteste Rallye der Welt. Nach dem Tod des Motorradfahrers Pascal Terry auf der 2. Etappe blieb die Rallye wenige Stunden später nur knapp von einer weiteren Tragödie verschont. Der folgende Bericht zeigt, wie dünn der Faden bei der Dakar oft sein kann, an dem das Leben hängt.

Ich sitze gerade beim Abendessen in Valparaiso. Die Kantine der örtlichen Marine-Akademie ist uns zur Verfügung gestellt worden. Gelassen geht es zu. In dem abgedunkelten Raum findet eine Folklore-Aufführung statt. An meinem Tisch werden Plätze frei. Ein Mann tritt heran, setzt sich. Bedächtig widmet er sich seiner Mahlzeit.

Ich wünsche ihm auf französisch, der Sprache der Rallye Dakar, guten Appetit und wir kommen ins Gespräch. Mein Gegenüber ist ein Motorradfahrer, ein Privatier. Einer von vielen die Ihren Traum von einer Dakar-Teilnahme verwirklicht haben.

Auf die Frage wie denn die Rallye bis jetzt so für ihn laufe, verstummt mein Gegenüber. Ein Schatten huscht über sein Gesicht. Dann erzählt Federico, so sein Name, eine Geschichte, wie sie jedem bei der Dakar wohl passieren kann. Eine Geschichte die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Federico Ghitti ist 44 Jahre alt. Seit seiner Jugend fährt er Motorrad, er liebt und beherrscht dieses Gerät. Er ist ein guter Enduro-Fahrer, körperlich fit, ein Bär von einem Mann. Schließlich soll sein Traum wahr werden: eine Teilnahme an der Dakar. Der Universitätsprofessor ahnt nicht, dass diese Rallye sein Leben verändern wird.

Es geschieht auf der Etappe nach San Rafael. Die mit den Dünen. Die mit den vielen Schwierigkeiten. Es ist derselbe Morgen, an dem die Leiche des vermisst gemeldeten Franzosen Pascal Terry auf der zweiten Etappe gefunden wird. Die Teilstrecke soll für Frederico zu einem Wendepunkt in seinem Leben werden. Als er am Morgen aus seinem Zelt kriecht, freut er sich auf eine große, echte Dakar-Etappe. Seine erste.

Gewissenhaft hat er sich in den Dünen Dubais und bei anderen Rallyes vorbereitet. Es ist für ihn ein Traum, der nun in Erfüllung geht. Ein Traum, aus dem der Italiener beinahe nicht mehr erwacht wäre. Denn auf dieser Etappe entgeht er nur knapp dem Tode. "Nein, eigentlich war ich schon tot", sagt Federico später.

Als die ersten Fahrzeuge in den Dünen liegen bleiben, macht sich noch keiner Gedanken. Die Dakar ist nicht umsonst die härteste Rallye der Welt. Als dann im Laufe des Nachmittags den Organisatoren klar wird, dass es keinen Sinn mehr macht, wird die Etappe ab dem zweiten Kontrollpunkt neutralisiert, alle Fahrzeuge von dort ab direkt umgeleitet. Auch weil man Angst hat nach dem ersten Todesopfer der Dakar. Zu diesem Zeitpunkt liegen etliche Motorradfahrer und Autos in dem weichen, feinen Sand. Sie kämpfen mit den Sandblechen und Schaufeln, ackern sich hart Meter für Meter nach vorne. Dünenkamm für Dünenkamm.

Einige schaffen es aus dem Dünen-Wall hinaus zum Ende der Speziale. Andere kehren um, wieder andere werden geborgen und alle fahren schlussendlich dem Biwak entgegen. Einer guten Mahlzeit, einer Dusche und dem vielverheißenden Schlafsack. Nur einige wenige bleiben in dem Gebiet zurück. Federico ist einer von ihnen.

Er wartet. "In den nächsten Stunden sind vielleicht vier Motorräder und genauso viele Autos an mir vorbeigefahren. Angehalten hat keiner." Und das obwohl er um Hilfe bittet, mit den Armen wedelt. Was der braun gebrannte Italiener noch nicht weiß ist, dass alle nachkommenden Teilnehmer umgeleitet werden. Somit seine Chance auf Benzin und damit Hilfe weiter sinkt. Und zwar drastisch mit jedem Weiteren der vorbei fährt. Er beginnt sich Sorgen zu machen. Erst zaghaft, dann ernsthaft.

Die Organisation hat er zu diesem Zeitpunkt bereits schon zweimal informiert dass er ohne Benzin in den Dünen feststeckt. Seine Position ist bekannt. Dann setzt Regen ein, der später laut Ghitti gar zu kleinen Hagelkörnern wird. Er ist ein harter, ein starker Mann: 1,87 Meter groß, stramme 91 Kilo, kein Gramm Fett. Ein Outdoor-Typ dem im Fitness-Studio die Blicke folgen. Zweimal war er italienischer Squash-Meister. Doch jetzt wird es auch ihm zu ungemütlich. Mittlerweile ist er klatschnass und unterkühlt, zittert am ganzen Körper. Erschöpft von der Sonne des Tages, dem Staub, dem Kampf mit dem Sand und nun dem Unbill des Unwetters ausgesetzt, kontaktiert er abermals die Organisation.

"Die haben versucht mich zu beruhigen, ich war nämlich sehr sauer. Sie haben mir immer nur wieder gesagt, Hilfe sei unterwegs, alles werde sich regeln. Aber wie denn?" Federico, der perfekt französisch spricht, versucht glaubhaft zu schildern, dass selbst die Rennfahrzeuge hier hoffnungslos fest stecken. Wer und wie soll ihm denn zur Hilfe eilen? Aufgrund der einsetzenden Dunkelheit glaubt er auch nicht an eine angedeutete Evakuierung per Helikopter. Mehrere Male setzt er, der sich mittlerweile in einem bedrohlichen körperlichen Zustand befindet, an diesem Tag mit der Rennleitung in Verbindung. "Bei meinem letzten Kontakt konnte ich kaum noch richtig sprechen, so kalt und kaputt fühlte ich mich."

Ohne Wasser, ohne Schutz dem Unwetter und der Nacht ausgesetzt, steigt Frust in ihm hoch. Das ist der Zeitpunkt, an dem er sich entscheidet "den Knopf" zu drücken. Den, der das Notsignal auslöst. Den, der das Ende seines Dakar-Traums, aber Hilfe bedeutet. Er drückt ihn.

Doch nichts passiert. Dann wird im schwarz vor Augen, er fällt in Ohnmacht. Langsam senkt sich endgültig die Nacht über das Meer aus Sand.

Zeitgleich kämpfen sich zwei alte Dakar-Haudegen durch dasselbe Gebiet. Carlo de Gavardo und Jean Brucy sind zwei Berühmtheiten im Biwak der Dakar. Beide haben mehrmals die Rallye auf Motorrädern absolviert, Etappen gewonnen, die Top Ten erreicht. Beide betreiben diesen Sport professionell. In diesem Jahr ist das chilenisch-französische Duo in einem Buggy am Start. Als sie endlich wieder ins Rollen kommen entdecken sie nach wenigen Kilometern einen regungslosen Körper im Sand, daneben ein Motorrad. Es ist Federico, der da im Sand liegt.

Sofort erkennen die Veteranen den Ernst der Situation. "Wir haben unmittelbar angehalten. Der Mann war bei Bewusstsein, aber total verstört und unter einer Art Schock ", erklärt Carlo de Gavardo das Geschehen aus seiner Sicht. Sie reagieren instinktiv, versuchen dem Motorradfahrer wieder auf die Beine zu helfen. Erst als sie ihn eine Weile auf die warme Motorhaube ihres Buggys legen und massieren, kommt der Italiener wieder zu sich.

Federicos Gedächtnis setzt erst wieder ein, als er auf der Motorabdeckung auf dem Heck des Buggies liegt. Wie lange er bewusstlos war - er weiß es nicht. Brucy erinnert sich wie folgt: "So was hab ich noch nie erlebt. Ich werde jetzt noch emotional, wenn ich darüber rede. Er stammelte nur noch, 'Ich will hier nicht sterben, ich will hier nicht sterben. Helft mir'."

Sie versorgen ihn mit dem Nötigsten, geben ihm zu Trinken und das Wenige, was sie an Essen dabei haben. Zudem gibt ihm Jean Brucy sein trockenes T-Shirt und einen Renn-Overall. Er überlässt ihm seinen Platz auf dem Beifahrersitz. In Renn-Buggies ist wenig Platz. Deshalb muss sich der Franzose halb in den Fensterrahmen setzen, draußen festklammern um Federico Platz zu machen. So legen sie gemeinsam die verbleibenden 20 Kilometer ins Biwak nach San Rafael zurück.

"Ich kann den beiden gar nicht genug danken, sie haben mir das Leben gerettet" sagt Federico ohne Aufregung, aber mit leiser Emotion in der Stimme. Seine letzten Gebete hatte er schon gesprochen, mit dem Leben abgeschlossen. Und das sei "nicht nur so dahin gesagt. Ich war am Ende. Ich war mehr als so gut wie tot." Dankbarkeit und Demut zeichnen sich in seinem Gesicht ab.

Am Tag danach fährt er mit einem Zuschauer, der ihn auf dem Quad mitnimmt, mit Benzin zurück zu seinem Motorrad. Gemeinsam schleppen sie es aus dem tiefen Sand, Federico kann die Rallye weiterfahren. Er profitiert von der Neutralisierung der des Teilstücks, das ihn fast das Leben gekostet hätte. Erst am Ruhetag in Valparaiso realisiert er, was wirklich geschehen ist. Wie knapp es war. Ein emotionales Zusammentreffen mit seinen Lebensrettern bewegt beide, Retter und Geretteten.

Jean Brucy hat Tränen in den Augen als er realisiert was er zu Federico sagt: "Mein Gott, du wärst da draußen ohne uns gestorben." Hätten Sie den Dünenkamm nur einige Meter abseits passiert, sie hätten den Verunglückten nie gesehen. "Mir ist jetzt noch richtig schlecht, weil ich das jetzt erst in seiner ganzen Tragweite wahrnehme. Außer uns war weit und breit kein anderer in der Nähe." Federico Ghitti schluckt nur. Der Kloß in seinem Hals ist zu groß.

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